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Sieben Toleranzen auf Ihrer Zeichnung, die das Drehteil teurer machen und die niemand braucht.

Ein Angebot für ein Drehteil ist zu teuer, und der Einkauf fragt beim nächsten Zerspaner an. Meist liegt es nicht am Zerspaner. Es liegt an einer Zeichnung, die vor Jahren mit einer Vorlage angefangen hat, deren Toleranzen nie jemand hinterfragt hat.

9 Min. LesezeitStand: 9. September 2026

Für den Zerspaner ist eine Toleranz keine Zahl, sondern ein Verfahren. Eine Bohrung mit H11 wird gebohrt. Dieselbe Bohrung mit H7 wird gebohrt und gerieben, in einem zweiten Arbeitsgang mit eigenem Werkzeug. Eine Welle mit einem Zehntel Toleranz wird gedreht. Mit fünf Mikrometern wird sie gedreht, gehärtet und geschliffen, auf einer anderen Maschine, in einer anderen Halle. Und was mit engen Toleranzen gefertigt wird, muss auch gemessen werden — nicht in der Stichprobe, sondern jedes Teil, mit Messmitteln, die dafür kalibriert sind.

Deshalb sind Toleranzen der größte Preishebel, den eine Zeichnung hat, und der am seltensten benutzte. Der Konstrukteur setzt sie einmal, oft aus einer Vorlage, oft enger als nötig, weil eng nie falsch ist. Der Einkauf sieht sie nicht. Der Zerspaner fertigt, was auf der Zeichnung steht, und berechnet es.

Die sieben, die am häufigsten vorkommen

  1. 01Allgemeintoleranz „fein“ für die ganze ZeichnungDie Toleranzklasse im Schriftfeld gilt für jedes Maß ohne eigene Angabe. Steht dort „f“ statt „m“, gilt für einen unwichtigen Absatz dieselbe Genauigkeit wie für den Lagersitz. Die Klasse „m“ reicht für fast alle Maße; die wenigen engen bekommen ihre eigene Toleranz.
  2. 02H7 an Bohrungen, in die nichts Passendes kommtH7 ist die Passung für Lager, Stifte und Buchsen. An einer Durchgangsbohrung für eine Schraube oder einem Ölkanal kostet sie einen Reibvorgang und eine Messung — für nichts. Dort reicht H11 oder das Bohrmaß nach Allgemeintoleranz.
  3. 03Ra 0,8 an jeder FlächeEine Oberflächenangabe im Schriftfeld für das ganze Teil ist bequem und teuer. Ra 0,8 braucht es an Dichtflächen und Lagersitzen. Gedrehte Flächen erreichen Ra 1,6 bis 3,2 ohne Zusatzaufwand; alles darunter heißt Feindrehen mit reduziertem Vorschub oder Schleifen.
  4. 04Koaxialität und Rundlauf ohne FunktionEin Rundlauf von 0,01 zwischen zwei Absätzen ist nötig, wenn beide Absätze Lager tragen. Zwischen einem Lagersitz und einem Gewindezapfen ist er nur eine Zahl, die eine Aufspannung erzwingt, die sonst nicht nötig wäre. Form- und Lagetoleranzen brauchen einen Grund, der auf der Zeichnung erkennbar ist.
  5. 05Toleranzen auf Kanten und Radien„Alle Kanten 0,2 × 45°“ ist eine Angabe, „0,2 ± 0,05“ ist eine Toleranz, die niemand messen will und die trotzdem gefertigt und geprüft werden muss. Kantenbrüche brauchen eine Obergrenze gegen scharfe Kanten und sonst nichts.
  6. 06Feingewinde, wo Regelgewinde reichenFeingewinde haben ihre Berechtigung bei Einstellgewinden und dünnen Wandungen. An einer Befestigung mit Standardschraube kosten sie ein Sonderwerkzeug und eine Lehre und bringen nichts, was ein M8-Regelgewinde nicht auch könnte.
  7. 07Enge Längenmaße an Flächen, die nirgends anliegenDie Gesamtlänge einer Welle ist selten funktional; funktional sind die Abstände zwischen den Absätzen, die Bauteile positionieren. Wer die Gesamtlänge auf ein Zehntel toleriert, zwingt den Fertiger, ein Maß zu halten, das später in einem Hohlraum verschwindet.

Wie man die Zeichnung günstiger macht, ohne das Teil zu ändern

Der einfachste Weg ist eine Frage an den Zerspaner: Welche drei Toleranzen auf dieser Zeichnung treiben den Preis? Die Antwort kommt meist sofort, weil er es beim Kalkulieren gesehen hat. Danach entscheidet die Konstruktion, ob die drei Toleranzen eine Funktion haben. Haben sie keine, ist das Angebot beim zweiten Mal günstiger, beim selben Lieferanten.

Was dabei nicht passieren darf, ist das Gegenteil: Toleranzen aufweiten, ohne zu wissen, wofür sie da waren. Eine Zeichnung ist ein Vertrag, und wer H7 auf H11 setzt, weil es billiger ist, und später einen Stift findet, der nicht mehr sitzt, hat am Stückpreis gespart und am Produkt verloren. Die Frage ist immer dieselbe: Was passiert mit dem Bauteil, wenn dieses Maß am Rand der Toleranz liegt? Wer das nicht beantworten kann, lässt die Toleranz stehen.

Der zweite Weg ist eine Toleranzprüfung bei jeder neuen Zeichnung, bevor sie zur Anfrage geht: Jedes Maß mit eigener Toleranz bekommt einen Vermerk, welche Funktion es sichert. Was keinen Vermerk bekommt, fällt auf die Allgemeintoleranz zurück. Das dauert zwanzig Minuten und spart bei jeder Bestellung.

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