Was 16.000 Faltschachteln kosten, die Sie nie brauchen werden.
Zwei Angebote liegen auf dem Tisch. Eines mit 20.000 Stück zu 18 Cent, eines mit 4.000 Stück zu 34 Cent. Der Bedarf sind 4.000. Das erste Angebot sieht günstiger aus, und ob es das ist, hängt von drei Zahlen ab, die in keinem der beiden Angebote stehen.
Der Stückpreis ist die Zahl, auf die Angebote gebaut sind, und die Zahl, auf die Einkäufer gemessen werden. Bei Verpackungen mit Mindestbestellmenge ist er trotzdem die falsche Vergleichsgröße, sobald die Mindestmenge über dem Bedarf liegt. Denn dann kauft man nicht 20.000 Schachteln für 18 Cent. Man kauft 4.000 Schachteln, die man braucht, und 16.000, die man lagert.
Diese 16.000 kosten dreimal: beim Kauf, weil sie bezahlt werden, im Lager, weil sie Platz brauchen, und bei der nächsten Artwork-Änderung, weil sie dann vernichtet werden. Der Rechner rechnet alle drei gegen das kleinere Angebot. Die Voreinstellungen sind Beispiele; tragen Sie Ihre beiden Angebote ein.
Mindestmenge gegen Bedarfsauflage
4.256Euro
Mindestmenge: 20.000 Stück zu 0,18 Euro sind 3.600 Euro im Einkauf. Davon bleiben 16.000 Stück übrig — 4 Paletten, die 24 Monate lagern und 1.152 Euro kosten. Bei 30 Prozent Änderungswahrscheinlichkeit sind rechnerisch 864 Euro Vernichtung zu erwarten. Zusammen 5.616 Euro. Die Bedarfsauflage: 4.000 Stück zu 0,34 Euro, 1.360 Euro.
Der Überschuss reicht für mehr als zwei Jahre. Die Rechnung deckelt die Lagerzeit bei 24 Monaten — was danach noch im Regal liegt, hat in der Praxis meist schon ein anderes Artwork.
Die Zahl, die am meisten bewegt
Von den drei Kostenarten ist das Änderungsrisiko die größte und die am seltensten angesetzte. Es steht in keiner Kalkulation, weil es keine Rechnung gibt. Es gibt nur irgendwann eine Palette, die weg muss. Die Wahrscheinlichkeit ist trotzdem schätzbar. Wie oft wurde das Artwork dieser Schachtel in den letzten drei Jahren geändert? Einmal in drei Jahren ergibt rund 33 Prozent je Jahr. Bei Pharmaverpackungen mit laufenden Variationen liegt der Wert höher, bei einer stabilen Kosmetiklinie niedriger.
Wer die Wahrscheinlichkeit auf null setzt, bekommt die Rechnung, die der Einkauf bisher gemacht hat. Wer sie ehrlich schätzt, bekommt oft ein anderes Ergebnis.
Was Lagern kostet
Zwölf Euro je Palette und Monat sind ein Wert für ein eigenes Lager mit einfacher Regaltechnik; Logistikdienstleister berechnen je nach Region und Handling mehr. Der Betrag klingt klein und ist es je Palette auch. Er wird groß, weil der Überschuss bei einer Mindestmenge, die das Fünffache des Bedarfs ist, vier Jahre reichen würde. Der Rechner deckelt die Lagerzeit bei 24 Monaten, weil danach fast immer die Änderung gekommen ist — und das Lagergeld dann für Ware bezahlt wurde, die vernichtet wird.
Wann die Mindestmenge trotzdem gewinnt
Bei Schachteln, deren Artwork seit Jahren unverändert ist und bleibt, bei Transportverpackungen ohne Markenauftritt, bei einem Bedarf, der nahe an der Mindestmenge liegt. Der Rechner zeigt dann eine Ersparnis für die Großauflage, und die ist real. Die Frage ist nicht, ob Mindestmengen schlecht sind. Die Frage ist, ob die Rechnung, mit der sie begründet werden, vollständig war.
Für den Fall, dass sie es nicht war, gibt es zwei Wege: Bedarfsauflagen im Digitaldruck, bei denen das Einrichten kaum kostet, oder eine Verhandlung über die Mindestmenge selbst. Viele Verpackungshersteller staffeln Mengen, wenn man nach der Staffel fragt, die im Angebot nicht steht.
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