Digitaldruck oder Offset: Ab welcher Stückzahl die Faltschachtel im Offset günstiger wird.
Die Frage wird meist mit einer Zahl beantwortet, die jemand einmal gehört hat: ab 5.000, ab 10.000, ab 20.000. Keine davon ist falsch, und keine gilt für Ihre Schachtel. Der Schnittpunkt der beiden Verfahren lässt sich für jeden Fall ausrechnen, wenn man weiß, welche drei Zahlen ihn bestimmen.
Offsetdruck und Digitaldruck unterscheiden sich in der Kostenstruktur, nicht in der Qualität. Im Offset kostet der Anfang: Druckplatten je Farbe, das Einrichten der Maschine, die Anlaufmakulatur, bis Farbe und Passer stimmen. Danach ist jede weitere Schachtel billig. Im Digitaldruck gibt es fast keinen Anfang, dafür kostet jede Schachtel gleich viel — und mehr als die tausendste Offsetschachtel.
Zwei Geraden also: eine, die hoch beginnt und flach verläuft, eine, die tief beginnt und steiler steigt. Wo sie sich schneiden, ist die Stückzahl, ab der Offset günstiger wird. Diese Stückzahl ist keine Konstante der Branche. Sie ist das Ergebnis von drei Zahlen, die für jede Schachtel anders sind.
Die drei Zahlen
- Die Einrichtkosten im OffsetPlatten, Einrichtung, Makulatur, bei neuen Formaten die Stanzform. Je mehr Farben, je aufwendiger die Veredelung, desto höher. Bei einer vierfarbigen Faltschachtel mit Dispersionslack liegen sie in einem anderen Bereich als bei einem Sechsfarbdruck mit Prägung.
- Der laufende Stückpreis im OffsetKarton, Farbe, Maschinenzeit je Bogen, Stanzen, Kleben — geteilt durch die Nutzen je Bogen. Diese Zahl ist niedrig und sinkt mit der Auflage kaum noch; ab einigen tausend Stück ist sie praktisch konstant.
- Der Stückpreis im DigitaldruckKarton, Toner oder Tinte, Maschinenzeit je Bogen, Stanzen, Kleben. Höher als im Offset, weil Druckzeit und Verbrauchsmaterial je Bogen mehr kosten. Sinkt mit der Auflage nur wenig.
Der Schnittpunkt ist dann die Einrichtkosten des Offsets, geteilt durch die Differenz der beiden Stückpreise. Kosten das Einrichten 1.400 Euro, die Offsetschachtel 12 Cent und die Digitalschachtel 26 Cent, liegt er bei 10.000 Stück. Bei 2.400 Euro Einrichtung und derselben Preisdifferenz bei gut 17.000. Bei einer Preisdifferenz von nur 8 Cent und 1.400 Euro Einrichtung bei 17.500.
Deshalb ist die Zahl, die jemand gehört hat, wertlos. Sie stammt aus einem Fall mit anderen Einrichtkosten, anderen Farben, einem anderen Format. Was für eine sechsfarbige Kosmetikschachtel mit Prägung gilt, gilt nicht für eine vierfarbige Pharmaschachtel ohne Veredelung.
Was in der Anfrage stehen muss
Die drei Zahlen bekommt man nur, wenn man beide Verfahren anfragt und die Angebote so bekommt, dass sie sich zerlegen lassen. Ein Angebot mit einem Gesamtpreis für 10.000 Stück nützt nichts. Ein Angebot mit Einrichtkosten und Stückpreis getrennt, oder mit Preisen für drei Mengen, aus denen sich beides ableiten lässt, nützt alles.
Wer beide Verfahren beim selben Hersteller anfragen kann, ist im Vorteil: Viele Verpackungsdruckereien fahren heute beides und rechnen den Wechsel selbst. Wer getrennte Lieferanten hat, muss die Angebote auf dieselbe Spezifikation bringen — Kartonqualität, Grammatur, Lack, Stanzform — sonst vergleicht man Verfahren, wo man Material vergleicht.
Was neben dem Preis zählt
Der Schnittpunkt sagt, ab wann Offset je Stück günstiger ist. Er sagt nicht, ob man die Stückzahl braucht. Wer 4.000 Schachteln im Jahr verbraucht und bei 10.000 den Schnittpunkt hat, kauft im Offset 6.000 Stück, die er nicht braucht — mit allem, was im Rechner zur Mindestbestellmenge dazu steht.
Der Digitaldruck hat dazu Eigenschaften, die im Preisvergleich nicht auftauchen: Er kann jede Schachtel anders bedrucken, was Versionen, Sprachen und Seriennummern ohne Rüstwechsel möglich macht. Er liefert schneller, weil das Einrichten entfällt. Und er erlaubt, mit kleinen Auflagen zu beginnen und bei Erfolg auf Offset umzustellen. Das sind keine Preisargumente, aber es sind die Gründe, aus denen Betriebe unter dem Schnittpunkt bleiben, obwohl sie ihn kennen.
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