Ist die Schleifmaschine der Engpass?
Vor der Schleifmaschine stapeln sich Teile, also ist sie der Engpass. So sieht es aus. Ob es stimmt, sagt eine Rechnung mit vier Zahlen, die in jeder Halle bekannt sind, aber selten nebeneinanderstehen.
Der Stapel vor der Maschine ist das sichtbarste Zeichen für einen Engpass und das unzuverlässigste. Teile stapeln sich auch dann, wenn die Maschine nur zur Hälfte läuft und die andere Hälfte der Zeit auf Material wartet, umgerüstet wird oder der Bediener gerade an der Kantenanleimmaschine aushilft. Der Stapel sagt, dass etwas nicht fließt. Er sagt nicht, ob es die Maschine ist.
Die Frage lässt sich beantworten, ohne dass jemand eine Woche mit der Stoppuhr daneben steht. Es genügt zu wissen, wie viele Teile am Tag durch die Maschine müssen, wie lang sie sind, wie oft jedes Teil durchläuft und mit welchem Vorschub. Daraus ergibt sich ein Bedarf in Durchlaufmetern, und der lässt sich mit dem vergleichen, was die Maschine in einer Schicht schafft.
Warum Durchlaufmeter, nicht Quadratmeter
Die Leistung einer Breitbandschleifmaschine wird gern in Quadratmetern je Stunde angegeben. Für die Praxis ist das eine unbrauchbare Zahl, weil sie voraussetzt, dass die Arbeitsbreite voll genutzt wird. Sie wird es fast nie. Ein 300 Millimeter breites Möbelteil auf einer 1.350er-Maschine belegt ein Fünftel der Breite und trotzdem die ganze Zeit, die es lang ist.
Deshalb rechnet der Rechner in Metern. Ein Teil kostet so viel Maschinenzeit, wie es lang ist, mal die Zahl der Durchgänge, geteilt durch den Vorschub. Wer regelmäßig zwei schmale Teile nebeneinander auflegt, hat entsprechend mehr Kapazität; das lässt sich über den Nutzungsgrad abbilden.
Was die Maschine am Tag schafft
62Prozent
900 Teile zu 0,8 Metern mit 2 Durchgängen sind 1.440 Durchlaufmeter am Tag. Bei 8,0 Metern je Minute und 65 Prozent Nutzungsgrad schafft die Maschine 2.340 Meter je Schicht. Auslastung: 62 Prozent — gesund. Es bleibt Platz für rund 562 weitere Teile am Tag.
Ausgelastet, aber mit Puffer für Störungen und Eilaufträge. Der Bereich, in dem eine Einzelmaschine wirtschaftlich läuft.
Die Zahl, die alles verschiebt
Von den Eingaben ist der Nutzungsgrad die unsicherste und die wirksamste. Er sagt, welchen Anteil der Schichtzeit die Maschine tatsächlich Material schleift. Alles andere geht davon ab: Rüsten, Bandwechsel, Teile auflegen und abnehmen, auf den Stapler warten, das Gespräch am Bedienpult.
Bei einer Einzelmaschine mit Handbeschickung sind 60 bis 70 Prozent ein realistischer Bereich. Mit Rücklaufband, das die Teile automatisch zum Bediener zurückbringt, steigt er spürbar, weil die Wege wegfallen. Wer den Nutzungsgrad eine Woche lang misst, statt ihn zu schätzen, findet häufig heraus, dass die Maschine weniger als die Hälfte der Zeit schleift, und dass der Engpass nicht die Maschine ist, sondern das, was um sie herum passiert.
Das ist die eigentliche Erkenntnis des Rechners. Zeigt er Reserve, obwohl Teile liegen bleiben, liegt es nicht an der Maschine. Dann hilft keine zweite, sondern eine bessere Zuführung, kürzere Rüstzeiten oder ein zweiter Mann für eine Stunde am Nachmittag. Zeigt er einen Engpass, sind die nächsten Fragen konkret: Lässt sich der Vorschub erhöhen, ohne dass die Oberfläche leidet? Lässt sich ein Durchgang durch eine andere Körnungsfolge sparen? Erst wenn beides ausgereizt ist, geht es um eine zweite Maschine oder eine zweite Schicht.
Zweite Maschine oder zweite Schicht
Zeigt der Rechner Rückstand, gibt es zwei Wege, und der Rechner hilft, sie zu vergleichen. Eine zweite Schicht verdoppelt die Kapazität ohne Investition, kostet aber einen Bediener mit Zuschlägen und funktioniert nur, wenn der Rest der Fertigung nachliefert und abnimmt. Eine zweite Maschine kostet Geld und Fläche, läuft aber in derselben Schicht und mit demselben Team.
Häufig ist die Antwort keins von beidem, sondern eine Maschine mit mehr Aggregaten, die zwei Durchgänge in einem erledigt. Wer im Rechner die Durchgänge von drei auf zwei setzt, sieht sofort, was das bringt, und ob es reicht.
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