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Die zehn Fragen vor dem PLM-Auswahl­projekt.

Ein PLM-Auswahlprojekt beginnt in vielen Betrieben mit einer Präsentation des Anbieters, den jemand von der Messe kennt. Danach wird das Lastenheft aus der Präsentation geschrieben. Wer es umgekehrt macht und die zehn Fragen zuerst beantwortet, braucht für die Auswahl vier Monate und für die Einführung deutlich weniger Nachträge.

8 Min. LesezeitStand: 10. September 2026

Die Fragen sind in vier Gruppen sortiert: Prozesse, Daten, Menschen, Geld. Keine davon betrifft Funktionen eines Systems. Funktionen haben alle Anbieter; was sie unterscheidet, ist, wie gut sie zu den Antworten passen.

Prozesse

  1. 011. Welche Prozesse sollen im PLM laufen, und welche bleiben im ERP?Freigabe, Änderung, Variantenbildung, Stücklistenpflege, Dokumentenlenkung: Für jeden dieser Prozesse muss vor der Auswahl entschieden sein, ob er ins PLM gehört oder im ERP bleibt. Die Grenze zwischen Konstruktionsstückliste und Fertigungsstückliste ist die wichtigste Entscheidung des Projekts, und sie wird oft dem Anbieter überlassen.
  2. 022. Wie soll die Freigabe aussehen, wenn sie gut ist?Nicht, wie sie heute läuft, sondern wie sie laufen soll: Klassen, Parallelität, Fristen, Vertretung. Wer den heutigen Prozess ins neue System übernimmt, hat nach der Einführung denselben Prozess mit anderen Bildschirmen. Ein Ziel dafür steht im Artikel zur Freigabe in drei Tagen.
  3. 033. Welche Schnittstellen sind Pflicht?ERP für Sachnummern und Stücklisten, das CAD-System nativ, Office für Dokumente, ein Lieferantenportal, das Serviceinformationssystem. Jede Schnittstelle, die im Lastenheft fehlt, kostet später als Nachtrag ein Vielfaches.

Daten

  1. 014. Welche CAD-Systeme, wie viele Nutzer, welche weiteren Werkzeuge?Mechanik, Elektrik, Fluidtechnik, Simulation, Software. Ein PLM, das nur das mechanische CAD kennt, lässt die Hälfte der Produktdaten draußen. Die Nutzerzahl je System bestimmt Lizenzmodell und Preis.
  2. 025. Wie viele Altdaten, in welchem Zustand, mit welcher Strategie?Anzahl der Dateien, Formate, Versionen, Qualität der Metadaten, und die Entscheidung, was migriert, was neutral übersetzt und was nur archiviert wird. Ohne diese Antwort ist jedes Migrationsangebot geraten.
  3. 036. Wer ist der führende Datenhalter für die Stückliste?Wenn Konstruktion und ERP beide eine Stückliste führen, muss eine die führende sein und die andere folgen, automatisch. Diese Frage entscheidet über die Architektur und wird in Präsentationen fast nie gestellt.

Menschen

  1. 017. Wer hat Zeit, und wie viel?Ein Projektleiter mit mindestens einer halben Stelle über zwölf Monate, ein Key User je Konstruktionsteam mit einem Tag pro Woche, ein Entscheider, der in 48 Stunden antwortet. Wer diese Zeit nicht freistellt, sollte das Projekt verschieben, nicht den Anbieter wechseln.
  2. 028. Cloud oder eigenes Rechenzentrum, und was sagt die IT?Standorte, Latenz für große Baugruppen, Datenschutz für Kundenzeichnungen, Betriebskonzept, Backup. Die Antwort schränkt die Anbieterliste ein, bevor jemand präsentiert hat.

Geld

  1. 019. Was kostet das System über fünf Jahre?Lizenzen oder Abonnement, Wartung, Anpassungen, Schnittstellen, Upgrades, Schulung, interne Zeit. Der Anschaffungspreis ist erfahrungsgemäß der kleinere Teil. Wer nur ihn vergleicht, vergleicht das Falsche.
  2. 0210. Woran messen wir in zwei Jahren, ob es sich gelohnt hat?Durchlaufzeit der Freigabe, Anteil der Zeichnungen aus dem PLM, Rückfragen aus der Fertigung, Suchzeit für Konstruktionsdaten. Drei bis vier Kennzahlen, heute gemessen, in zwei Jahren wieder. Ohne den heutigen Wert gibt es keinen Vergleich, und ohne Vergleich keine Antwort.

Und ein elfter Punkt, der keine Frage ist: ein Referenzbesuch bei einem Betrieb ähnlicher Größe, der das System seit mindestens zwei Jahren nutzt, ohne den Anbieter im Raum. Was dort über die Nutzung im Alltag gesagt wird, ist mehr wert als jede Präsentation.

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