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CAD-System­wechsel: Was mit 20 Jahren Altdaten passiert.

Der Wechsel des CAD-Systems ist entschieden, und im Projektplan steht eine Zeile: Migration Altdaten. Hinter der Zeile stehen zwanzig Jahre Konstruktion, Hunderttausende Dateien, drei Versionen des alten Systems und die Gewissheit, dass ein Teil davon noch gebraucht wird. Welcher Teil, weiß niemand. Das ist die eigentliche Aufgabe.

9 Min. LesezeitStand: 10. September 2026

Die Migration aller Daten ins neue System ist der Weg, den Anbieter anbieten und Betriebe selten zu Ende gehen. Native Modelle lassen sich zwischen CAD-Systemen nicht verlustfrei übersetzen: Parametrik, Features, Skizzenbezüge gehen verloren oder werden zu etwas, das aussieht wie ein Modell und sich nicht mehr ändern lässt. Was bleibt, ist Geometrie. Und die Übersetzung von allem kostet Monate, für Daten, die zu einem großen Teil nie wieder geöffnet werden.

Die Sortierung, die vor allem anderen kommt

Bevor über Formate gesprochen wird, gehört der Bestand in drei Klassen. Erstens die aktiven Daten: Bauteile und Baugruppen, die in Produkten stecken, die heute verkauft oder gefertigt werden. Sie lassen sich über die Stückliste im ERP finden, und ihre Zahl ist meist kleiner, als der Ordnerbaum vermuten lässt. Zweitens die serviceaktiven Daten: Teile, die in ausgelieferten Maschinen sind und als Ersatzteil gebraucht werden können. Drittens alles andere: Projekte, die nicht gebaut wurden, Varianten, Studien, Entwürfe. Die dritte Klasse ist die größte, und für sie reicht ein Archiv.

Die Zugriffsstatistik ist der beste Sortierer. Welche Dateien in den letzten 24 Monaten geöffnet wurden, sagt das Dateisystem. Was nicht geöffnet wurde, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten 24 Monaten nicht geöffnet, und für diese Wahrscheinlichkeit gibt es einen Weg, der nichts kostet.

Vier Wege

  1. 01Neu aufbauen: für aktive Teile, die sich weiter ändernBauteile, an denen weiter konstruiert wird, werden im neuen System neu modelliert, mit sauberer Parametrik und den Attributen des PLM. Das ist teuer je Teil und deshalb auf die Teile beschränkt, die in laufenden Produkten stecken und sich absehbar ändern. Oft ist es ein niedriger einstelliger Prozentsatz des Bestands.
  2. 02Neutral übersetzen: für Teile, die gelesen, aber nicht geändert werdenSTEP AP242 überträgt Geometrie, und in der aktuellen Fassung auch Fertigungsinformationen wie Toleranzen und Oberflächen als Anmerkungen. Für Ersatzteile und Referenzen reicht das: Das Modell ist vollständig, aber ohne Konstruktionsabsicht. Zeichnungen gehen als PDF, mit Prüfung, dass Maßstab und Blattrahmen stimmen.
  3. 03Bei Bedarf übersetzen: für alles, das vielleicht gebraucht wirdDie Daten bleiben im alten Format im Archiv, und wer eines braucht, lässt es übersetzen oder neu aufbauen. Das verlangt, dass das alte Format lesbar bleibt, also einen Archivarbeitsplatz mit dem alten System und einer Lizenz, die nicht ausläuft. Für die große dritte Klasse ist das der Weg mit dem besten Verhältnis von Aufwand und Nutzen.
  4. 04Nur ansehen: für den RestEin Betrachtungsformat wie JT oder 3D-PDF, erzeugt in einem Lauf über den gesamten Bestand, macht jedes Modell ohne CAD-Lizenz anschaubar, messbar und für den Service brauchbar. Das kostet Rechenzeit, nicht Konstrukteurszeit, und es ist der Fallschirm, wenn das alte System eines Tages nicht mehr startet.

Die Arbeit, die keiner einplant

Die Übersetzung von Geometrie ist Rechenarbeit. Die Übersetzung von Metadaten ist Menschenarbeit: Sachnummern, Revisionen, Freigabestände, Zuordnungen zu Aufträgen, Werkstoffe, Verantwortliche. Zwanzig Jahre bedeuten drei Nummernsysteme, zwei Umbenennungen und Tausende Dateien, deren Revision nur im Dateinamen steht. Ohne diese Zuordnung findet niemand im neuen System, was er sucht, und die Migration hat Geometrie gerettet und Wissen verloren. Hier gehört der größere Teil des Budgets hin, und hier braucht es jemanden aus der Konstruktion, der die Geschichte kennt.

Die Frist, die den Umfang bestimmt

Technische Unterlagen einer Maschine müssen nach der Maschinenrichtlinie und der Maschinenverordnung zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen des letzten Exemplars verfügbar sein; Ansprüche aus Produkthaftung erlöschen nach dem Produkthaftungsgesetz zehn Jahre nach dem Inverkehrbringen des Produkts. Zeichnungen und Modelle von Maschinen, die in den letzten zehn Jahren ausgeliefert wurden, müssen also lesbar bleiben, nicht als CAD-Modell, aber als Dokument. Für diese Daten ist das Betrachtungsformat keine Option, sondern Pflicht, und das alte System darf erst abgeschaltet werden, wenn es erzeugt ist.

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