Das PLM läuft seit einem Jahr, und die Konstrukteure speichern weiter lokal.
Das Projekt ist abgeschlossen, der Anbieter hat die Abnahme, die Schulungen sind gelaufen. Und auf Laufwerk K wächst der Ordner mit den aktuellen Konstruktionen weiter, weil dort die Arbeit stattfindet. Das ist selten Widerstand. Es ist meistens die rationale Reaktion auf ein System, das im Alltag mehr kostet als es bringt.
Wer die Ursache sucht, sollte nicht mit den Konstrukteuren anfangen, sondern mit einer Zahl: Wie viele der Zeichnungen, die im letzten Quartal an die Fertigung gegangen sind, haben eine Kennung aus dem PLM? Liegt der Anteil unter der Hälfte, ist das System nicht die Quelle der Wahrheit, sondern ein zusätzlicher Ablageort, und ein zusätzlicher Ablageort wird immer umgangen.
Sechs Gründe, die nichts mit Widerstand zu tun haben
- Der Umweg ist offenSolange die Fertigung Zeichnungen per E-Mail, aus einem Netzlaufwerk oder als PDF-Anhang annimmt, gibt es einen Weg am PLM vorbei, und er ist schneller. Kein System gewinnt gegen einen offenen Umweg. Das ist nicht die Schuld der Konstrukteure, sondern eine Entscheidung, die niemand getroffen hat.
- Das System ist langsam bei großen BaugruppenEin Check-out, der zwei Minuten dauert, wird zehnmal am Tag zu 20 Minuten Wartezeit. Der Konstrukteur speichert lokal und lädt abends hoch, oder er lädt gar nicht. Performance ist in den meisten Einführungen mit kleinen Testbaugruppen geprüft worden und im Alltag mit den echten.
- Die Integration ins CAD ist nicht nativWenn das PLM ein zweites Fenster ist, in dem Attribute nachgetragen werden, statt eines Menüs im CAD, kostet jede Speicherung eine Handlung mehr. Konnektoren für das jeweilige CAD sind in Angeboten oft optional, und die Option wurde gestrichen.
- Die Altdaten sind nicht drinWer ein Bauteil aus einem Projekt von 2019 braucht, findet es auf Laufwerk K und nicht im PLM. Also sucht er auf K, kopiert von K, arbeitet auf K. Ein System, das nur die Zukunft kennt, ist im Tagesgeschäft ein halbes System.
- Die Freigabe läuft danebenWenn die Freigabe weiter per Unterschrift auf Papier oder per E-Mail läuft, hat das PLM keinen Platz im Ablauf. Das System ist dann eine Ablage, keine Arbeitsumgebung, und Ablagen füllt man später.
- Der Nutzen landet woandersDer Konstrukteur trägt zehn Attribute ein, damit Einkauf, Service und Fertigung suchen können. Der Aufwand liegt bei ihm, der Nutzen bei anderen. Ohne einen Nutzen für den, der die Arbeit macht, bleibt die Arbeit liegen.
Die eine Regel
Die Fertigung nimmt nur noch Zeichnungen mit PLM-Kennung an. Das ist die Regel, die den Umweg schließt, und sie ist eine Entscheidung der Geschäftsführung, nicht der IT. Sie funktioniert nur, wenn vorher die Gründe zwei bis fünf beseitigt sind; sonst erzeugt sie Stau statt Nutzung. Die Reihenfolge ist deshalb: Performance an den echten Baugruppen messen und beheben, Konnektor nachrüsten, die Altdaten zumindest auffindbar machen, die Freigabe ins System legen. Dann die Regel, mit Datum.
Was nicht hilft, ist die zweite Schulung. Die Konstrukteure wissen, wie das System bedient wird; sie haben entschieden, es nicht zu tun, und die Entscheidung war vernünftig. Was hilft, ist ein Key User je Team, der Zeit hat, und eine Zahl, die monatlich gezeigt wird: der Anteil der Zeichnungen aus dem PLM. Sie steigt, wenn die Gründe verschwinden, und sie zeigt, welcher noch fehlt.
Woran man den Erfolg misst
Drei Zahlen reichen: der Anteil der freigegebenen Zeichnungen mit PLM-Kennung, die Zeit vom Speichern bis zur Freigabe, und die Zahl der Rückfragen aus der Fertigung wegen falscher Versionen. Die dritte ist die, die die Geschäftsführung überzeugt, weil hinter jeder Rückfrage ein Teil steht, das falsch gefertigt wurde oder fast.
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