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Das Band steht, weil Material fehlt: Milkrun oder Kanban-Wagen.

Wenn die Linie steht, weil eine Kiste leer ist, hat die Bereitstellung versagt, nicht der Werker. Zwei Systeme lösen das Problem auf verschiedene Weise: der Milkrun mit einem Zug, der nach Fahrplan fährt, und der Kanban-Wagen, der geholt wird, wenn er leer ist. Welches passt, hängt an sieben Größen der Halle.

9 Min. LesezeitStand: 9. September 2026

Ein Milkrun ist ein Routenzug, der in festem Takt eine feste Route fährt, an jeder Station leere Behälter mitnimmt und volle abstellt. Die Versorgung ist ein Fahrplan: alle 30 oder 60 Minuten kommt der Zug, und die Bestände an der Linie sind auf diesen Takt ausgelegt. Der Kanban-Wagen ist einfacher: ein Wagen oder Behälter mit definiertem Inhalt steht an der Linie; ist er leer, geht ein Signal an die Logistik, und ein voller ersetzt ihn. Kein Takt, kein Fahrplan, nur Abruf.

Beide funktionieren. Der Unterschied liegt darin, was sie voraussetzen und was sie kosten, wenn die Voraussetzungen nicht stimmen.

Sieben Kriterien

  1. 01Stückzahl und TaktDer Milkrun braucht Volumen. Ein Zug, der alle 30 Minuten fährt und an zehn Stationen wenig abliefert, ist teurer als das Material, das er bringt. Bei hohen, gleichmäßigen Stückzahlen ist er unschlagbar; bei Einzelfertigung mit wechselnden Bedarfen fährt er leer. Der Kanban-Wagen skaliert nach unten und ist bei kleinen und mittleren Stückzahlen oft die ehrlichere Lösung.
  2. 02VariantenvielfaltViele Varianten heißen viele Behälter je Station. Der Milkrun kann sie liefern, wenn der Supermarkt sie vorhält und der Zug Platz hat; die Route wird dann lang und der Zug groß. Kanban-Wagen mit Varianten je Wagen sind übersichtlicher, brauchen aber Stellfläche an der Linie für jeden Wagen, der potenziell gebraucht wird.
  3. 03WegstreckeÜber 100 Meter zwischen Lager und Linie ist der Kanban-Wagen ein Fußmarsch je Abruf, und Abrufe kommen dann, wenn es ohnehin eng ist. Der Milkrun bündelt Wege in eine Fahrt. Bei kurzen Wegen kehrt sich das um: Ein Zug, der drei Stationen im Umkreis von 30 Metern anfährt, ist ein Umweg mit Fahrplan.
  4. 04Fläche an der LinieDer Milkrun braucht an jeder Station Platz für volle und leere Behälter im Durchlaufregal, aber wenig, weil die Menge auf den Takt begrenzt ist. Der Kanban-Wagen braucht Platz für den Wagen selbst und oft für einen zweiten, damit der Wechsel ohne Lücke geht. Bei enger Linie gewinnt meist das Regal.
  5. 05PersonalDer Milkrun bindet einen Fahrer je Schicht, der sonst nichts macht; das ist eine Stelle mit klarem Zweck. Der Kanban-Wagen verteilt die Arbeit auf Logistiker, die auf Abruf reagieren, und auf Werker, die den Abruf auslösen. Wer keine feste Logistikstelle finanzieren will, landet beim Wagen; wer eine hat, sollte sie fahren lassen.
  6. 06Verhalten bei StörungenFällt der Milkrun aus, steht nach einem Takt die ganze Route. Fällt ein Kanban-Abruf durch, steht ein Arbeitsplatz. Der Milkrun braucht deshalb Vertretung und einen Puffer von mindestens einem Takt an der Linie; der Wagen verzeiht einzelne Fehler, versteckt sie aber auch, bis sie sich häufen.
  7. 07EinführungsaufwandEin Milkrun ist ein Projekt: Route, Takt, Supermarkt, Behälterstandard, Regale, Zug, Fahrer, Regeln. Drei bis sechs Monate sind üblich. Ein Kanban-Wagen ist ein Wagen mit Etikett und einem Signalweg; die erste Station läuft in zwei Wochen. Das ist der Grund, warum viele Betriebe mit dem Wagen anfangen und beim Milkrun landen, wenn die Halle es hergibt.

Der Fall, in dem beide zusammengehören

Die meisten Hallen haben beides, und das ist kein Kompromiss. Kleinteile in Normbehältern mit hohem Verbrauch fahren im Milkrun; sperrige, seltene oder variantenreiche Teile kommen auf Kanban-Wagen. Der Zug fährt die Route, der Wagen deckt ab, was nicht auf die Route passt. Entscheidend ist, dass beide dieselben Regeln haben: ein Behälterstandard, ein Signalweg, eine Zuständigkeit. Zwei Systeme mit zwei Zuständigkeiten sind der Zustand, in dem das Band wieder steht.

Was vor der Entscheidung zu klären ist

Bevor ein System gewählt wird, gehört die Frage geklärt, warum die Kiste leer war. Fehlte das Material im Lager, hilft keine Bereitstellung. War es im Lager und nicht an der Linie, ist es ein Fall für dieses Thema. War es an der Linie und nicht auffindbar, ist es Ordnung am Arbeitsplatz. Die drei Ursachen sehen im Ergebnis gleich aus und brauchen drei verschiedene Antworten.

Für die zweite Ursache gilt: Die Wahl zwischen Milkrun und Wagen ist weniger wichtig als die Frage, ob das Material überhaupt in Behältern mit definierter Menge an definierten Plätzen liegt. Ohne das funktioniert keines der beiden Systeme, und mit dem Behälterstandard funktioniert fast jedes.

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