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Energie­effizienz­gesetz: Ab 7,5 GWh Jahres­verbrauch wird das Management­system Pflicht.

Das Gesetz ist seit November 2023 in Kraft, die erste Frist ist im Juli 2025 abgelaufen, und in vielen Betrieben ist noch nicht klar, ob sie überhaupt betroffen sind. Die Antwort hängt an einer Zahl, die im Energiebericht steht: dem durchschnittlichen Gesamtverbrauch der letzten drei Jahre.

9 Min. LesezeitStand: 9. September 2026

Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet Unternehmen nach Verbrauch, nicht nach Größe oder Branche. Maßgeblich ist der Gesamtendenergieverbrauch — Strom, Gas, Öl, Fernwärme, Kraftstoffe für den innerbetrieblichen Verkehr — im Durchschnitt der letzten drei abgeschlossenen Kalenderjahre. Wer diese Zahl nicht kennt, kann nicht wissen, welche Pflichten gelten. Das ist der erste Schritt, und er dauert einen Nachmittag mit den Energierechnungen.

Drei Schwellen, drei Pflichten

  1. 01Über 7,5 Gigawattstunden: Energie- oder UmweltmanagementsystemEin zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS. Die Frist für Unternehmen, die die Schwelle 2023 überschritten, endete am 18. Juli 2025. Wer sie erst später überschreitet, hat ab dann 20 Monate. Das System muss Abwärmepotenziale und Energieflüsse erfassen und wirtschaftliche Maßnahmen ausweisen.
  2. 02Über 2,5 Gigawattstunden: Umsetzungspläne für wirtschaftliche MaßnahmenWer ein Managementsystem oder ein Energieaudit hat, muss daraus binnen drei Jahren konkrete Umsetzungspläne für alle als wirtschaftlich identifizierten Maßnahmen erstellen und veröffentlichen. Wirtschaftlich heißt: positiver Kapitalwert nach höchstens der Hälfte der Nutzungsdauer. Umsetzen muss man sie nicht — aber begründen, warum nicht.
  3. 03Über 2,5 Gigawattstunden: Abwärme vermeiden, nutzen, meldenAbwärme ist nach dem Stand der Technik zu vermeiden und, wo sie anfällt, zu nutzen. Jährlich bis zum 31. März sind Abwärmemengen, Temperaturniveaus und Verfügbarkeit an die Plattform für Abwärme bei der BAFA zu melden. Diese Pflicht gilt unabhängig davon, ob ein Managementsystem vorgeschrieben ist.

Was das in der Praxis bedeutet

Für Betriebe knapp über 7,5 Gigawattstunden ist das Managementsystem der größte Posten. ISO 50001 ist kein Papierstapel, sondern ein Prozess: Messkonzept, Energiekennzahlen, Verantwortlichkeiten, jährliche Bewertung, externes Audit. Der Aufbau dauert bei einem mittelständischen Standort sechs bis zwölf Monate; die Zertifizierung hängt an Auditorenkapazität, die 2025 knapp war und 2026 noch ist. Wer die Frist verpasst hat, sollte den Aufbau dokumentiert begonnen haben — das Gesetz sieht Bußgelder vor, und Behörden unterscheiden zwischen Verzug und Untätigkeit.

Für Betriebe zwischen 2,5 und 7,5 Gigawattstunden ist die Abwärmemeldung die Pflicht, die am häufigsten übersehen wird. Sie ist jährlich, sie ist an ein Portal gebunden, und sie verlangt Zahlen, die viele Betriebe nicht haben: Welche Anlage gibt wie viel Wärme bei welcher Temperatur ab, und wann? Die erste Meldung ist deshalb meist eine Schätzung. Sie ist trotzdem abzugeben; eine fehlende Meldung ist eine Ordnungswidrigkeit, eine geschätzte nicht.

Die Umsetzungspläne sind der Teil, der Betriebe am meisten beschäftigt, weil er öffentlich ist. Was als wirtschaftlich identifiziert wurde, steht mit Kapitalwert und Amortisation in einem veröffentlichten Plan. Das schafft Erklärungsbedarf gegenüber Kunden, Banken und Eigentümern, wenn Maßnahmen dort stehen und nicht umgesetzt werden.

Was 2026 zur Diskussion steht

Die Schwelle von 7,5 Gigawattstunden ist Gegenstand einer Novelle, die eine Anhebung vorsieht und Teile der Pflichten vereinfachen soll. Was davon in welcher Form Gesetz wird, ist zum Redaktionszeitpunkt offen. Zwei Dinge lassen sich trotzdem sagen: Die Abwärmemeldung und die Umsetzungspläne sind in keinem der Entwürfe gestrichen, und ein Managementsystem, das man wegen einer Novelle nicht aufbaut, fehlt einem im nächsten Jahr bei der CSRD-Berichterstattung und bei jeder Energieberatung, die man dann doch braucht.

Wer über der Schwelle liegt, sollte den Aufbau nicht aussetzen. Wer knapp darunter liegt, sollte die Verbrauchszahl jährlich prüfen — ein neuer Kompressor oder eine zusätzliche Schicht reichen, um sie zu überschreiten.

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