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Gebrauchtbagger besichtigen: Was die Betriebs­stunden nicht sagen.

Ein Bagger mit 6.000 Stunden aus dem Galabau ist eine andere Maschine als einer mit 6.000 Stunden aus dem Abbruch. Der Zähler unterscheidet das nicht. Die Besichtigung schon, wenn man weiß, wo man hinsieht, und wenn man sich die Zeit nimmt, die Maschine unter Last laufen zu lassen.

8 Min. LesezeitStand: 10. September 2026

Die zwölf Punkte sind in der Reihenfolge angeordnet, in der man sie am Gerät abgeht: von unten nach oben, dann in Betrieb, dann die Papiere. Ein Nachmittag reicht, wenn die Maschine warm gefahren werden kann und jemand dabei ist, der sie bedient.

Im Stand

  1. 01LaufwerkKettenglieder, Bolzen und Buchsen auf Verschleiß; Bodenplatten auf Stegverschleiß; Laufrollen und Tragrollen auf Ölaustritt und Spiel; Kettenspannung und Zustand der Spannzylinder. Ein Laufwerk ist bei einem 20-Tonnen-Bagger ein fünfstelliger Posten und der häufigste versteckte Kostenpunkt. Der Verschleißgrad lässt sich mit Messlehre in Prozent angeben; über 70 Prozent heißt bald ersetzen.
  2. 02DrehkranzOberwagen mit dem Ausleger anheben und auf Spiel prüfen, dann langsam drehen und auf Geräusche hören. Spiel und Knacken deuten auf verschlissene Lagerbahnen, und der Drehkranz ist eine Reparatur, die Wochen dauert.
  3. 03Ausleger, Stiel, LöffelBolzen und Buchsen an allen Gelenken auf Spiel: Löffel auf den Boden setzen, Stiel anheben, auf Bewegung an den Lagern achten. Dann die Schweißnähte: Risse am Stielkopf, an der Auslegerwurzel und am Löffelaufnahme, und vor allem Reparaturschweißungen, die auf frühere Risse hinweisen. Frische Farbe an genau diesen Stellen ist ein Grund, genauer hinzusehen.
  4. 04ZylinderKolbenstangen auf Riefen, Verchromungsschäden und Verbiegung; Dichtungen auf Leckage. Ein Ölfilm ist normal, ein Tropfen nicht. Zylinder ausgefahren stehen lassen und beobachten, ob sie unter Last absinken.
  5. 05MotorraumÖlstand und Ölzustand, Kühlmittel, Undichtigkeiten, Zustand von Riemen und Schläuchen, Rußspuren am Abgasstrang. Bei Maschinen der Emissionsstufe IV und V: Zustand von Partikelfilter und AdBlue-System, weil Fehler dort teuer und für die Baustelle relevant sind.
  6. 06Schnellwechsler und AnbauhydraulikVerriegelung auf Funktion und Verschleiß, Kupplungen und Leitungen der Zusatzhydraulik auf Dichtheit, Zustand der mitgelieferten Anbaugeräte. Ein Schnellwechsler, der nicht sicher verriegelt, ist kein Mangel, sondern ein Ausschluss.

In Betrieb

  1. 01KaltstartDie Maschine kalt starten lassen, nicht vorgewärmt vorfinden. Startverhalten, Rauch in den ersten Sekunden, Geräusche, Warnleuchten. Wer eine warme Maschine vorfindet, kommt am nächsten Morgen wieder.
  2. 02Hydraulik unter LastNach dem Warmfahren mehrere Zyklen Graben und Schwenken mit vollem Löffel: Zykluszeiten, Kraft am Stiel, gleichmäßige Bewegung ohne Ruckeln, Geräusche der Pumpe. Hydrauliköltemperatur nach 30 Minuten beobachten; steigt sie ungewöhnlich, ist der Kühler oder die Pumpe verschlissen.
  3. 03FehlerspeicherÜber das Display oder das Servicegerät auslesen lassen, vor Ort und in Ihrer Anwesenheit. Aktive und gespeicherte Fehler, Häufigkeit, Zeitpunkte. Ein gelöschter Fehlerspeicher kurz vor der Besichtigung ist selbst eine Information.
  4. 04Kabine und ElektrikAlle Funktionen, alle Leuchten, Klimaanlage, Kamera, Joysticks auf Spiel und Rückstellung. Der Zustand der Kabine sagt viel darüber, wie mit der Maschine umgegangen wurde.

Die Papiere

  1. 01Wartungsheft und TelematikWartungsintervalle mit Stundenständen, Rechnungen für größere Reparaturen, und wenn die Maschine Telematik hat: der Datenauszug mit Betriebsstunden, Lastprofil und Fehlerhistorie. Stimmen Zählerstand, Wartungsheft und Telematik nicht überein, ist der Zähler manipuliert oder getauscht.
  2. 02Herkunft und EigentumFahrgestellnummer am Rahmen mit den Papieren abgleichen und gegen eine Diebstahldatenbank prüfen; Kaufvertrag des Verkäufers oder Ablösebestätigung der Finanzierung einsehen. Eine Maschine, die noch der Bank gehört, kann nicht verkauft werden. Dazu die letzte UVV-Prüfung und die Emissionsstufe, die über den Einsatz in Ausschreibungen und Umweltzonen entscheidet.

Was danach kommt, ist eine Liste mit Kosten: Laufwerk in Prozent, Buchsen an drei Gelenken, ein Zylinder, die nächste große Wartung. Diese Liste gehört in die Preisverhandlung, nicht in den Kopf. Ein Gebrauchtbagger ist nicht billig, weil er gebraucht ist, sondern weil jemand die Liste kennt und der andere nicht.

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