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Der Kunde will den CO2-Fußabdruck des Bauteils: Woher die Zahl kommt.

Die Anfrage kommt als Fragebogen, mit Frist und mit dem Hinweis, dass die Antwort in die Lieferantenbewertung eingeht. Gefragt ist der Product Carbon Footprint des Bauteils in Kilogramm CO2-Äquivalent je Stück. Der Lieferant des Rohmaterials antwortet nicht, und die Frist läuft. Es gibt drei Wege zu einer Zahl, und sie unterscheiden sich in Qualität und Aufwand.

9 Min. LesezeitStand: 10. September 2026

Ein Product Carbon Footprint nach ISO 14067 summiert die Treibhausgasemissionen eines Produkts über einen festgelegten Abschnitt seines Lebens, meist von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor des Herstellers. Bei einem Aluminiumbauteil besteht die Zahl aus vier Teilen, und einer davon ist fast alles.

Die vier Bestandteile

  1. 01Das Material: meist 80 bis 90 Prozent der ZahlPrimäraluminium liegt weltweit im Mittel bei rund 16 Tonnen CO2-Äquivalent je Tonne; mit Wasserkraft in Europa oder Norwegen unter sieben, mit Kohlestrom in China um 20. Sekundäraluminium aus Schrott liegt unter einer Tonne. Der Fußabdruck des Bauteils entscheidet sich also an der Frage, welches Aluminium aus welcher Hütte hineingegangen ist, und die kann nur der Lieferant beantworten.
  2. 02Die Fertigung: Strom mal StandortfaktorGießen, Umformen, Zerspanen, Wärmebehandlung. Die Emissionen ergeben sich aus dem Stromverbrauch je Stück mal dem Emissionsfaktor des Stroms, in Deutschland nach Umweltbundesamt unter 400 Gramm je Kilowattstunde, bei Ökostrom mit Herkunftsnachweis entsprechend weniger. Gas für Öfen kommt dazu. Bei einem zerspanten Teil ist das ein kleiner Posten, bei einem Gussteil mit Wärmebehandlung ein mittlerer.
  3. 03Die OberflächeEloxieren, Pulverbeschichten, Lackieren haben eigene Strom- und Chemieanteile. Sie werden oft vergessen, weil sie beim Lohnbeschichter stattfinden, und der hat seinen eigenen Fußabdruck, den man abfragen muss.
  4. 04Transport und VerschnittTransport ist bei Seefracht je Kilo klein, bei Luftfracht groß. Verschnitt und Späne sind Material, das eingekauft, aber nicht verbaut wurde; wie ihre Gutschrift beim Recycling angerechnet wird, ist eine Methodenfrage, die im Bericht ausgewiesen werden muss.

Drei Datenquellen, absteigend

  1. 01Lieferantendaten: die Zahl der Hütte oder des HalbzeugwerksEine Umweltproduktdeklaration oder ein spezifischer PCF des Lieferanten für genau die Legierung und den Standort. Das ist die beste Quelle und die, nach der der Kunde fragt. Wenn der Lieferant nicht antwortet, hilft die Frage nach der Hütte und dem Strommix; damit lässt sich die Größenordnung schon eingrenzen.
  2. 02Datenbankwerte: Durchschnitte nach Region und VerfahrenÖkobilanzdatenbanken wie ecoinvent oder die Datensätze der Aluminiumverbände liefern Werte für Primär- und Sekundäraluminium nach Region. Sie sind belastbar, aber unspezifisch: Sie beschreiben den Durchschnitt, nicht den Lieferanten. Im Bericht muss stehen, dass es Sekundärdaten sind.
  3. 03Standardwerte aus dem CBAM: die schlechteste QuelleDie CBAM-Standardwerte sind bewusst hoch angesetzt und erfassen für Aluminium nur die direkten Emissionen ohne Strom. Als Fußabdruck sind sie doppelt falsch: zu hoch im Prozess, zu niedrig insgesamt. Wer sie in einen PCF-Fragebogen einträgt, liefert eine Zahl, die bei der nächsten Prüfung nicht standhält.

Was in die Antwort gehört

Eine Zahl allein ist keine Antwort. Ein belastbarer PCF nennt die Systemgrenze, meist Cradle-to-Gate, die Methode, etwa ISO 14067 oder das Regelwerk des Kunden wie das Catena-X-PCF-Rulebook in der Automobilindustrie, die Datenquellen je Bestandteil mit der Kennzeichnung primär oder sekundär, den Umgang mit Schrott und Verschnitt, und das Bezugsjahr. Eine Zahl mit diesen Angaben kann der Kunde einordnen; eine Zahl ohne sie muss er anzweifeln.

Für die erste Antwort unter Frist reicht ein Wert aus Datenbank und eigener Fertigung, ehrlich als vorläufig gekennzeichnet, mit dem Hinweis, dass Lieferantendaten angefragt sind. Das ist besser als eine präzise wirkende Zahl, die niemand belegen kann. Und es ist der Anfang einer Arbeit, die ohnehin ansteht: Wer Material aus verschiedenen Quellen bezieht, wird den Fußabdruck künftig je Lieferant und je Charge ausweisen müssen, und die Materialwahl wird eine Frage des Fußabdrucks, nicht nur des Preises. Was der Wechsel der Quelle kostet, zeigt der Vollkostenrechner.

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